Ein knackiges Anschreiben zu formulieren, fällt den meisten Menschen sehr schwer. Und es ist auch nicht ohne: Auf einer A4-Seite die eigenen Fähigkeiten auf den Punkt zu bringen, ist eine Herausforderung, besonders für alle, die sonst nicht viel Übung im Schreiben haben. Aber es ist machbar. Wenn ich mir das Anschreiben von Freunden und Bekannten angeschaut habe, fiel mir oft auf, dass sich die Sätze verkrampft anhörten. Im Gespräch wurde mir auch schnell klar, warum: Weil hinter der Aufgabe, ein Anschreiben zu verfassen, so viel Druck und Anspannung steckte, dass ein selbstbewusster, lockerer Schreibstil nicht im Entferntesten umsetzbar war.

Auch bei mir selbst habe ich solche Tendenzen wahrgenommen. Du lernst in der Schule irgendwann einmal, wie man eine Bewerbung formal richtig umzusetzen hat. Dann machst du eine Ausbildung oder ein Studium, vielleicht gehst du noch einmal ein Jahr ins Ausland. Plötzlich kommt der Zeitpunkt, wo du dich auf dem Arbeitsmarkt umschaust und stellst fest, dass du keine Ahnung hast, wie du dich verhalten sollst. Im Internet gibt es viele Tipps, aber irgendwie haben die wenig praktischen Nutzen. Wie soll es also gehen?

Keine Angst vorm weißen Blatt

Zuerst einmal kann jeder Schreiben. Ja, es dauert vielleicht bis das Anschreiben fertig ist. Ja, da müssen vielleicht viele Augen Korrektur lesen. Ja, es ist nicht sofort perfekt. Aber das ist okay. Wen es beruhigt: Mich als Texter haben diese geschätzt 500 Wörter etliche Stunden Schweiß gekostet. Ich war oft unzufrieden, habe ich beklemmt gefühlt wie ein Kind, das einen kreisförmigen Klotz in eine viereckige Form quetschen will. Aber dieser Zustand lässt sich überwinden und mit ein paar Kniffen lassen sich die ersten Krämpfe ganz schnell bekämpfen. Egal wie viele Ratgeber dir sagen dies sei richtig und jenes sei falsch: Deine Bewerbung ist etwas, das sich entwickeln muss. Gib nicht auf, gib dich nicht mit langweiligen Floskeln zufrieden und vor allem gib dir Zeit. Am schwierigsten ist die erste Bewerbung, alle anderen bauen darauf auf.

Was gehört alles zum Anschreiben?

Im reinen Textblock gehört zum Anschreiben klassischer Weise:

  • die Anrede
  • eine Einleitung
  • ein Mittelteil
  • der Abschied

Die Einleitung fiel mir selbst immer am schwersten, deshalb habe ich sie zuletzt umgesetzt und mich zuerst dem Mittelteil gewidmet.

Ein kleines Gedankenspiel zur Einstimmung

Bevor ich beginne in die Tasten zu hauen, schaue ich mir stets die Stellenausschreibung noch einmal genau an. Welche Fertigkeiten werden verlangt. Was scheint Priorität zu haben, was sind eher triviale Anforderungen? An welchen Punkten erfülle ich die Vorgaben voll und ganz, wo könnte ich möglicherweise Defizite haben? Wenn ich das einmal analysiert habe, lehne ich mich zurück, atme tief durch und schließe meine Augen. Nein, jetzt kommt kein Schläfchen, sondern eine Einstimmung aufs Schreiben. Denn was ist Schreiben anderes als verschriftlichte Gedanken?

Stell dir also vor, du triffst dich zufällig mit dem Personaler auf ein Bier und erklärst ihm – natürlich ohne jeden Druck – warum du für die Stelle wie geboren bist. Dabei zählst du nicht nur auf, was du alles kannst, sondern belegst es auch mit Beispielen aus deinem Arbeitsalltag. In der Stellenausschreibung steht, du benötigst ein hohes Maß an Verhandlungsgeschick? Prima, du hast jahrelang die Belange von XY durchgesetzt und in Verträgen festgehalten. In der Stellenausschreibung steht, du solltest dich mit der Wartung und Pflege von landwirtschaftlichen Nutzfahrzeugen und Maschinen auskennen? Klar, durch dein Praktikum in einem landwirtschaftlichen Großunternehmen erhieltest du umfangreiche Einblicke in den Umgang mit diversen Nutzfahrzeugen, vom klassischen Ackerpflug bis hin zum modernen Siloverteiler.  Wenn du das Szenario ausreichend durchdacht hast, bringst du deine Ideen zu Papier. Schreib erst einmal so, wie du es jemandem erzählen würdest, damit die Sätze nicht zu gestelzt klingen. Den nötigen Feinschliff gibst du dem Text hinterher.

Wenn du damit fertig bist, hast du zumindest schon einmal eine solide Basis für deinen Mittelteil. Nun kannst du noch einmal die Probe machen und die Stellenausschreibung mit deinen angepriesenen Fähigkeiten im Mittelteil vergleichen. Es muss nicht jeder einzelne Punkt der Jobausschreibung explizit erwähnt werden, denn viele Vorzüge lassen sich auch gut im Fact Sheet und im Lebenslauf unterbringen. Ins Anschreiben gehören die in der Stellenausschreibung priorisierten Fähigkeiten und vor allem die, die eine Erklärung benötigen.

Anschreiben – einen Anfang finden