Wie du deine Unterlagen gestalterisch umsetzt, hängt zum einen von deiner Branche und zum anderen von deinen Vorlieben ab. Dabei tanzt deine Bewerbung auf einem schmalen Grat: Sie soll aus der Masse der Bewerber herausstechen, mit der Gestaltung auch einen Teil deiner Persönlichkeit zum Ausdruck bringen, allerdings auch zum Unternehmen passen und auf keinen Fall unseriös wirken.

Ob dieser Spagat immer hundertprozentig gelingt, ist schwer zu sagen, weil du nicht mit am Tisch sitzt, wenn der Personaler einen ersten Blick auf deine Unterlagen wirft. Fakt ist aber, dass du dich vorsichtig herantasten kannst, indem du deine Unterlagen mit jeder Bewerbung etwas verbesserst. Für mich habe ich die Entscheidung getroffen, auch grafisch neue Wege zu gehen. Da ich mich im Dunstkreis einer Kreativbranche bewege, erwarten die Unternehmen von mir vermutlich auch mehr als eine 0815-Bewerbung. Trotzdem habe ich genau geschaut, wo ich mich da bewerbe. Meine Bewerbung für eine Versicherung war daher weniger verspielt gestaltet und formuliert als jene für einem Süßigkeitenhersteller. Das Grundlayout blieb das gleiche, aber die Details habe ich angepasst.

Du, die Stelle und das Unternehmen

Das Gesamtkunstwerk Bewerbung muss zu dir passen, zur Stelle und eben auch zum Unternehmen. Deshalb schau dir – noch bevor du dich an die Bewerbung setzt – die Webseite deines potenziellen Arbeitgebers ganz genau an. Was schreibt er zur Unternehmenskultur, wie werden Mitarbeiter vorgestellt, wie ist der Umgangston? Das wird dir bereits beim Layout helfen. Ein paar kleine ‚Schnörkel‘ habe ich beispielsweise auch bei der Versicherung eingebaut, denn sie gaben mit ihrem Auftreten zu verstehen, dass sie nach außen nicht als die typischen trockenen Versicherungsvertreter gesehen werden wollen, sondern eher als hilfsbereite Menschenversteher.

In dem Zusammenhang stellte sich mir oft die Frage, in wieweit ich das Corporate Design des Unternehmens aufgreifen sollte. Als ich noch keinen richtigen eigenen Stil hatte, übernahm ich beispielsweise die Farben des Unternehmens in meinen Überschriften. Als ich dann aber meinen eigenen Stil fand und versucht habe, meine Farben zu ändern, war es irgendwie nicht mehr stimmig und ich habe es gelassen. Ich denke, da muss jeder schauen, wie wohl er sich damit fühlt. Grundsätzlich kann es nie verkehrt sein, dem Unternehmen sowohl grafisch als auch verbal zu signalisieren, dass du dich mit dem Unternehmen identifizieren kannst. Wie weit ein Bewerber dabei gehen möchte, ist jedem selbst überlassen. Ausprobieren würde ich es aber auf jeden Fall.

Grundlagen der Gestaltung

Wie fast überall gibt es auch hier kein hundertprozentiges richtig oder falsch, wohl aber einige Überlegungen, die helfen können. Zuerst einmal gelten hier die gleichen Gestaltungsrichtlinien wie bei anderen Dokumenten auch. Ich fasse die wichtigsten Aspekte noch einmal zusammen:

  • Benutzt nicht mehr als zwei Schriftarten: Am besten eine verspieltere für Überschriften und eine einfachere für Textblöcke. Für meine Bewerbung habe ich Hammersmith One für Überschriften und Montserrat Light für Schriftblöcke verwendet. Wer sich nicht sicher ist, findet bei Techtag einige weitere Tipps zum Kombinieren von Schriftarten.
  • Seid sparsam mit unterschiedlichen Farben: Ein bis zwei Farben (neben schwarz) reichen völlig. In meiner Bewerbung habe ich blau und orange verwendet. Diese Farben ziehen sich durch das gesamte Dokument, vom Deckblatt über das Anschreiben und den Lebenslauf bis hin zu einem Fact Sheet und meinen Referenzen.
  • Die Schriftgrößen sollten ebenfalls nicht zu sehr variieren. Für Textblöcke solltet ihr einheitlich eine Größe zwischen 10 und 12 p wählen (je nach Schriftart fallen die Buchstaben größer oder kleiner aus). Setzt Überschriften etwas größer, zum Beispiel 14 oder 16 p. Daneben könnt ihr noch Akzente setzen, indem ihr zum Beispiel euren Namen auf dem Deckblatt größer aufzieht, aber mit Bedacht. Mischt nicht zu viele Größen auf einer Seite.
  • Wenn ihr etwas im Text hervorheben oder übersichtlicher gestalten wollt, nutzt eher fett und kursiv, als dass ihr mit Größen und Farben experimentiert. Auch unterstreichen sollte mit Vorsicht verwendet werden, da es beim Lesen eher irriert.
  • Natürlich gilt: „Wer die Form beherrscht, darf in die Suppe spucken.“ (Willberg)

 

So sehen die Schriftarten und Farben im Header meiner Bewerbung aus:

Bewerbungen gestalten – Grundlagen