Kennst du das, wenn du einen alten Text von dir findest und denkst: Oh mein Gott, habe ich das geschrieben? Wie gut, dass der Mensch in der Lage ist, sich zu entwickeln, denke ich dann immer, denn meine ersten Einleitungen waren stocksteif und furchtbar. „Sehr geehrter Herr Sowieso, hiermit bewerbe ich mich ….“ oder so ähnlich. Puh!

Deshalb ging ich in mich und fragte mich, was ich mit der Einleitung überhaupt erreichen möchte. Sie soll:

  • knackig formuliert sein
  • neugierig auf den Rest machen
  • gezielt auf das Unternehmen eingehen
  • die Frage des Personalers schon einmal grob beantworten: Was reizt mich an der Stelle?
  • indirekt schon mal ein bisschen über meine Persönlichkeit verraten

Aus diesem Grund sehe ich mir noch einmal die Webseite des Unternehmens an und finde heraus, welche Werte das Unternehmen vertritt, was ihm besonders wichtig ist und was es sich primär für Kompetenzen auf die Fahne schreibt. Auch Details können interessant sein und lassen sich mitunter einflechten, aber hauptsächlich habe ich auf den Kern gezielt. Umso genauer du triffst, desto eher kommt es einem Kompliment gleich:

Liebes Unternehmen, ich habe dir ins Herz geschaut und erkannt, dass wir einfach perfekt zusammenpassen.

Das sollte so natürlich nicht formuliert werden, aber das ist im Grunde die Aussage dahinter. Umso mehr du über das Unternehmen weißt, desto besser. Nicht alles wirst du anbringen, eine Einleitung besteht schließlich nur aus drei bis fünf Zeilen, aber du brauchst dieses Wissen später sowieso als Vorbereitung auf dein Vorstellungsgespräch.

Einen Aufhänger finden

Im Grunde ist deine Einleitung ähnlich konzipiert wie bei einem Artikel in einem Magazin. Du führst sanft in das Thema ein, indem du eine kleine Geschichte erzählst, eine kleine Hintergrundinfo aufgreifst oder eine bestimmte Thematik beschreibst. Bewirbst du dich zum Beispiel bei einer Zahnarztpraxis, dann kannst du auf den Wert eines bezaubernden Lächelns eingehen und wie wichtig es ist, dieses zu erhalten. Was du dir da genau auspickst, musst du selbst entscheiden, da du die Branche in der du dich bewirbst am besten kennst. Es sollte aber auf jeden Fall eine hohe Relevanz haben. Formuliere dabei immer positiv und versuche eine schöne Szenerie im Kopf des Lesers entstehen zu lassen.

Wenn ich sage, es soll ein wenig über deine Persönlichkeit ausdrücken, meine ich das in diesem Fall in Bezug auf deinen Beruf. Nehmen wir das Beispiel mit der Zahnarztpraxis und wie erfüllend es ist, das Lächeln der Menschen zu erhalten. Im Grunde gibst du hier einen Hinweis darauf, was dich besonders motiviert, täglich dein Bestes zu geben. Versuche hier so wenig plakativ wie möglich zu sein, sondern sei ehrlich. Was treibt dich an (neben deinem Monatslohn)?

An dieser Stelle passt es wunderbar, auf besondere Gemeinsamkeiten einzugehen. Wenn du dich auf eine Stelle im Verlagswesen bewirbst, macht es zwar wenig Eindruck, wenn du schreibst, dass du Bücher liebst, weil das zu allgemein ist. Handelt es sich aber um einen Verlag, der sich auf vegane Lebensweise spezialisiert hat und ist das etwas, womit du dich auch schon lange beschäftigst, dann unterscheidet dich das möglicherweise schon einmal von anderen Bewerbern. Später, wenn es um deine beruflichen Vorzüge geht, wird so ein persönlicher Hintergrund wahrscheinlich thematisch nicht mehr so gut passen. Hier ist also der beste Platz dafür.

Einleitungen individuell auf das Unternehmen anpassen

Meine Einleitungen sind alle so verschieden wie die Unternehmen bei denen ich mich beworben habe, denn mein Wissensgebiet wird branchenübergreifend in Unternehmen ab einer gewissen Größe benötigt. Bei dir ist das möglicherweise anders. Wenn du im Handwerk arbeitest, wirst du dich auch nur bei Handwerksfirmen bewerben. Trotzdem würde ich die Bewerbung und insbesondere die Einleitung immer wieder an das Unternehmen anpassen, denn es hinterlässt einen guten Eindruck. Außerdem habe ich viele verschiedene Ansätze ausprobiert, um meine Möglichkeiten zu erweitern.

Auf die Formulierungen im Detail möchte ich später noch eingehen. Nur soviel: Ich habe jegliche Formalitäten weggelassen. Beispielsweise schreibe ich nicht erneut, worauf ich mich bewerbe, weil das auf dem Deckblatt und eventuell auch noch einmal als Betreffzeile über dem Anschreiben steht. Meistens bin ich sofort auf den Punkt gekommen. Wie gesagt, die Einleitung ist kurz und muss vieles leisten. Dadurch falle ich zwar zuweilen mit der Tür ins Haus, aber dafür bleibt der Kracher möglicherweise besser im Gedächtnis.

Die Einleitung im Anschreiben